Volvo entwickelt Geräusche für Elektrofahrzeuge

Volvo V60 Plug-in-Hybrid im Akustiklabor.  Foto: billiger-autofahren24.de/Volvo

Volvo V60 Plug-in-Hybrid im Akustiklabor. Foto: billiger-autofahren24.de/Volvo

Die Gefahr ist erkannt: Elektroautos fahren ohne das typische Motorengeräusch und werden daher von Fußgängern, Fahrradfahrern und anderen Verkehrsteilnehmer, aber auch vom Fahrer selbst nur schlecht akustisch wahrgenommen.

Das Geräusch eines Fahrzeugs ist jedoch auch ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Deshalb arbeiten die Volvo-Techniker in einem der renommiertesten Akustiklabore der Welt an perfekten Geräuschen für ein Elektrofahrzeug. „Unser Ziel ist es, eine Soundmischung zu entwickeln, die nicht nur als typisches Motorengeräusch wahrgenommen wird, sondern gleichzeitig ein Stück vom Lebensgefühl Automobil wiedergibt“, sagt Peter Mertens, Senior Vice President, Research & Development von Volvo. Der richtige Fahrzeugsound ist auch psychologisch mitentscheidend für den Fahrgenuss, für das Erlebnis Autofahren an sich.

Die Fahrt in einem elektrisch betriebenen Fahrzeug wird meist als sehr leise, beinahe lautlos beschrieben. Aus Sicht eines Akustikexperten ist diese Wahrnehmung eher missverständlich beziehungsweise unzutreffend. „Der satte Klang eines Verbrennungsmotors gehört für uns intuitiv genauso zum Autofahren wie Gaspedal und Bremse. Das typische Motorengeräusch wirkt dabei auf uns wie eine akustische Schutzhülle, die andere Geräusche überdeckt. Fehlt diese Decke, werden wir plötzlich mit einer Vielzahl von Störgeräuschen konfrontiert“, sagt Martin Spång vom Volvo-Akustiklabor.

Ein Hybridfahrzeug wie der Volvo V60 Plug-in-Hybrid, kombiniert konventionellen Dieselantrieb mit einem Elektromotor. In den verschiedenen Fahrmodi nimmt der Fahrer eines Hybridfahrzeugs indes unterschiedliche Geräusche wahr, die sich von den bekannten, herkömmlichen Fahrzeuggeräuschen unterscheiden. Ganz besonders dann, wenn das Fahrzeug ausschließlich über den Elektromotor angetrieben wird. Im Elektromodus vernimmt der Fahrer beispielsweise das Hinundherschwappen des Dieselkraftstoffs im Tank besonders deutlich, genauso wie Lüfter, Klimaanlage, Fahrbahngeräusche oder den Wind. Erst wenn der Dieselmotor wieder dazugeschaltet wird, erleben die Insassen das gewohnte Fahrgeräusch.

Aufgabe der Volvo-Entwickler ist es nun, für den V60 Plug-in-Hybrid das passende akustische Profil zu schaffen, das einerseits die unterschiedlichen Geräuschquellen berücksichtigt und anderseits einen universellen, authentischen Fahrzeugsound liefert, der unabhängig vom Antriebsmodus eingesetzt werden kann. „Die größte Herausforderung liegt darin, ein ausgewogenes Mischungsverhältnis zwischen herkömmlichen und neuen Geräuschquellen zu finden. Es wird aber auch Aufgabe der Zulieferer sein, gemeinsam mit uns geräuschärmere Komponenten zu entwickeln. Außerdem werden sich die Kunden mit der Zeit daran gewöhnen, dass Elektrofahrzeuge einfach eine andere Akustik haben als herkömmliche Autos. Dieser neue typische Sound wird zu den wichtigen Alleinstellungsmerkmalen gehören, die ein Elektrofahrzeug besonders und unverwechselbar machen“, sagt Martin Spång.

Das 2009 eingeweihte Akustiklabor von Volvo gehört zu den modernsten Einrichtungen seiner Art in der Automobilindustrie. Die 2500 Quadratmeter große Akustikkammer wird beherrscht von einer fast unnatürlichen Stille. Geräuschabsorbierende Schaumstoffplatten an den Betonwänden und der Betondecke sorgen für die notwendige Schallisolation. Das Labor ist vom restlichen Gebäudekomplex vollkommen abgetrennt und so gut isoliert, dass keinerlei Hintergrundgeräusche durchdringen können. „Als das Labor eröffnet wurde, haben wir im Inneren der Einrichtung 17 Dezibel gemessen. Das ist so leise, dass man hören kann, wenn einem Kollegen auf der anderen Seite der Akustikkammer der Magen knurrt“, sagt Martin Spång. Zum Vergleich: Die Lautstärke einer normalen Unterhaltung liegt bei 60 bis 70 Dezibel (dB).

Die Beschaffenheit des Laborbodens ähnelt der einer Straßenoberfläche, so dass die Geräuschentwicklung und die Geräuschreflexion authentisch simuliert werden können. Dank spezieller Fahr- und Messvorrichtungen können verschiedene Fahrbahnoberflächen für Testfahrzeuge dargestellt werden.

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09:16 | by Gerd Braas

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